Franz Walter

  • Notes
  • Die Welt verändert sich schneller, als wir es begreifen können. Die Debatte dreht sich um Können. Was kann die Maschine? Was kann der Mensch noch? Was kann er morgen nicht mehr? Es ist ein Wettrennen, und die Maschine gewinnt.

    Aber es ist kein Rennen. Es sind zwei verschiedene Dinge. Maschinen können denken. Menschen können erleben. Eine KI hat alles gelesen und nichts erlebt. Sie kennt jedes Wort für Schnee, aber ihr war noch nie kalt. Sie kann Begegnung beschreiben, aber sie kann sich nicht verändern, weil jemand ihr in die Augen schaut. Erleben lässt sich nicht optimieren. Es passiert, wenn Menschen einander begegnen. Wenn sie spielen, streiten, staunen. Wenn sie in einem Raum sitzen, ohne zu wissen, was als Nächstes kommt. Und es aushalten.

    Kinder wissen das noch. Sie begegnen, bevor sie bewerten. Sie berühren, bevor sie fragen, ob sie dürfen. Sie stellen Fragen, die unmöglich klingen, und nehmen sie ernst. In einer Welt, die gerade lernt, mit Maschinen zu koexistieren, die klüger sind als wir – wer schützt die Räume, in denen Kinder noch erleben dürfen, bevor sie optimiert werden? Das ist die pragmatischste Frage, die man gerade stellen kann.

    Denn wenn es am Ende auf den Charakter der Spezies ankommt – dann wird dieser Charakter nicht in Rechenzentren geformt. Er wird geformt in Räumen, in denen Menschen einander begegnen. Und die erste Begegnung mit der Welt hat jedes Kind. Im Juli sollen 250 Menschen in Davos zusammenkommen. 75 Kinder. 75 Jugendliche. 75 Erwachsene. 25 Alumni. Fünf Tage. Eine Frage: How do we want to coexist?

    Dieser Raum existiert noch nicht. Er braucht Menschen, die ihn ermöglichen.